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Hin und Weg Slam Poetry

zum Thema Heimat

Im Burghof von Schloss Runkelstein bei Bozen trugen fünf Slammer*innen die Lebensgeschichte von fünf ausgewanderten Südtiroler*innen vor. Spannend, lustig, tiefsinnig, mit der Sprache spielend, mit viel Wortwitz sowie wunde Punkte und besondere Themen treffend erhielten die Besucherinnen und Besuchern Einblick in fünf Lebensgeschichten.
Es ging um die Vinschgerin Johanna Bäkmann, die als junges Mädchen zum Arbeiten nach Deutschland ging. Der Slammer Wolfgang Nöckler bringt es auf den Punkt: „Johanna ging also mit nach Deutschland raus, die Eltern wolltens, & sie wollts auch. Die Zeit verlangte: sag nicht nein. Magari lern ich was, könnt sein“. Doch sie fühlte sich ausgenutzt und blieb nicht lang. Später lernte sie einen Mann kennen, „in Hochdeutsch die Stimme von Amor erklang, in ihrer Heimat, auf Urlaub ihr späterer Mann“ … „sie war hin & weg gezogen, auf Probe & Dauer, gezogen vom Herzen … erweiterte sich ihr Heimatbegriff“.
In einem weiteren Slam ging es um Anna Egger. Sie stammt aus Neumarkt und lebt nun in Vorarlberg, wo sie als Graphic Recorderin arbeitet. Dabei hält sie Inhalte von Veranstaltungen und Seminaren bildlich fest. Und das hat sie auch beim Slam Poetry auf Schloss Runkelstein live auf der Bühne gemacht. Der Slammer Manuel Lavoriero fasst den Heimatbegriff von Anna Egger so zusammen: „wenn du ibrn Brenner fohrsch und es hoamelige Gefühl di erfosst, des isch hoamkemmen. Wenn du in Mamas Küche zur Ruhe kimmsch und die Freude nit nochlosst, donn isch des für di hoamkemmen“.
Über Luise Pörnbacher, Vorsitzende der Südtiroler in der Welt, slammte Eeva Aichner. In einer ruhigen Art, treffend und spannend, erzählte sie die Lebensseefahrt von Pörnbacher, beginnend in Ehrenburg, über die Ausbildung zur Krankenschwester in München, die Arbeit auf einem Lazarettschiff vor Vietnam, über einen Einsatz in Arabien, Afghanistan und Pakistan. Sie folgte ihrem Mann nach Dänemark und arbeitete als „Paramedic“ auf einer Bohrinsel; „… fühlte sie sich unter dem aufgeschlossenen Menschenschlag der Dänen wohl, vergaß aber in den unbegrenzten Weiten des Nordens niemals ihr bebergtes Südtirol“. Nach der Pensionierung kehrte Luise Pörnbacher mit ihrem Mann nach Ehrenburg zurück. „Wie sie sich die Welt zum Zuhause erkoren, kehrt sie in ihre Heimat zurück, wo ihre Vorfahren geboren“. Neben der Heimat, die ihr Stärke gab („dass sie das aushielt, liegt vielleicht auch am robusten Südtirol Stamm“), betont Eeva Aichner in ihrer Lebensseefahrt auch die Hilfsbereitschaft und Offenheit von Pörnbacher: „leben und leben lassen“ war ihr „höchstes Gebot“, „sodass es ihr gelang, nicht nur eine Winkel sondern einen Globus mit ihrer Offenherzigkeit zu umfassen“.
Gebhard Leitinger ist das Kind einer Optantin, er ist in Nordtirol geboren und lebt noch da. Leitinger ist beim Verband der Südtiroler in Österreich und beim Bezirksverein engagiert und für die Zeitschrift „Südtiroler Heimat“ sammelt und schreibt er die Lebensgeschichten von Optanten auf. Im Slam von Ania Viero kommt der Grund und Ansporn für die Beschäftigung mit der Option und den damit verbundenen Lebensschicksalen gut heraus: „Die Mutter fühlte sich wie eine Fremde im eigenen Land! Die Mutter wurde Walsche genannt“.
Maria Fliri zeichnete das Leben des Spendenleiters international von „Das Licht in der Welt“ und Krankenhausclowns Patrick Hafner nach. Hafner stammt aus Bozen und blieb nach dem Studium in Wien, wo er heute mit seiner Familie lebt. „Die vielen Ungleichgewichte in ganz verschiedener Dichte, will er ausgleichen und verändern, hier und in fernen Ländern“. Beim Slam Poetry gab es auch einen Auftritt von Hafner als Clown.
 
In einem zweiten Durchgang slammten die fünf Poet*innen zum Thema Heimat.
Lene Morgenstern führte gekonnt und mit treffenden Worten durch den Abend. Sie stellte sowohl die fünf Künstler*innen als auch die Patinnen und Paten kurz vor. Für die musikalische Umrahmung des Abends und die passende Stimmung sorgten Franziska Telser und Mirko Giocondo.
 
 
Ingeburg Gurndin
KVW Pressereferat