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Kulturwoche Ein Streifzug durch den Vinschgau

mit Erich Achmüller

Der Vinschgau hat kulturell wirklich viel zu bieten. Davon konnten wir uns in der gemeinsam verbrachten „Vinschger-Woche“ überzeugen.
Bei Wind und Schneetreiben begannen wir unsere Woche in Graun. Nach dem Museumsbesuch schilderte uns Theresia Theiner, die Seniorchefin des Hotels Traube, in bewegten Worten ihre persönlichen schmerzvollen Erfahrungen in der Zeit der Seestauung.
In Marienberg empfing uns Abt Markus Spanier und führte uns persönlich durch die neu restaurierten Räume. Erstaunenswert, wieviel der rührige Abt in den letzten Jahren bereits verwirklicht hat: das Museum, den neuen Lesesaal, die Bibliothek, das Kaffee. Die Stiftskirche erstrahlt in neuem Glanz.
In Trafoi bietet das Nationalparkmuseum Naturatrafoi faszinierende Einblicke in das Überleben der Pflanzen und Tiere unter den extremen Bedingungen des Hochgebirges. Im Nationalparkhaus Aquaprad in Prad steht die „fremde“ Welt der Fische im Mittelpunkt.
Das Bergdorf Stilfs erlebten wir unter der kundigen Führung von Sepp Hofer als Beispiel gelungener Dorfsanierung.
In Karthaus erfuhren wir von Frau Margit Gamper, wie das Leben im ehemaligen Kloster aussah, das hier immerhin 450 Jahre Bestand hatte. Davon zeugen heute noch die teilweise erhaltenen Klostermauern und der Kreuzgang. Die Karthäuser Mönche lebten enthaltsam, kontemplativ und abgeschieden von der Außenwelt. Sie ernährten sich nur von Fischen aus dem nahen Teich, die teils aus der Etsch und aus dem Haider See hierher gebracht wurden. Heute stehen auf den Überresten des 1782 säkularisierten Klosters Wohngebäude der Ortsbewohner.
In Unserfrau trafen wir Luis Rainer, der uns die Geschichte des Ursprungs der Wallfahrtskirche erzählte. Die Pietà-Statuette, ganze 13 cm groß, soll im Jahr 1304 aufgefunden worden sein. Pilger sollen sie einst aus dem Hl. Land mitgebracht haben. Zwei Jahre später, also 1306, wurde am Fundort eine Kapelle gebaut. Die Kirche ist somit einer der ältesten Marienwallfahrtsorte Tirols. Im Außenbereich bewunderten wir die Brunnen der beiden Künstler Martin Rainer und Friedrich Gurschler.
Der ArcheoParc Schnals, Südtirols erstes archäologisches Museum mit Freilichtbereich, zeigt die Lebensweise der in der Jungsteinzeit im Schnalstal ansässigen Menschen. Besonders spannend fanden wir die Erprobung des steinzeitlichen Feuermachens durch Funkenschlagen mit zwei Steinen. Es hat auf Anhieb funktioniert.
In Mals folgten wir mit Interesse den Ausführungen von Bürgermeister Ulrich Veith. Die Gemeinde Mals - so Veith – setzt vor allem auf Nachhaltigkeit: sanften Tourismus, Kleinstrukturiertheit in der Landwirtschaft, Verzicht auf chemische Pflanzenschutzmittel, Selbstversorgung im Energiebereich, verbesserte Mobilität, Vielfalt und gesunden Lebensraum. In Begleitung des Bürgermeisters besuchten wir das Grab des vor 100 Jahren in Mals geborenen Malers Karl Plattner.
Gabi Obwegeser, Leiterin des Vinschger Museums in Schluderns, erzählte uns in lebendigster Weise viel Wissenswertes über die Waale, über Schwabenkinder, Korrner und alte Bräuche im oberen Vinschgau.
Glurns, wahrlich ein Juwel unter Südtirols Ortschaften, hat sich in den letzten Jahren fein herausgeputzt. Durch geschmackvolle Sanierungen und Initiativen im Wohnungsbau- und Gewerbebereich konnte die Attraktivität des Städtchens gesteigert werden. Auch die Bevölkerung nahm wieder zu. Im imposanten Tauferer-Stadtturm besuchten wir das Paul-Flora-Museum und schauten uns die Dauerausstellung über Leben und Werk des aus Glurns stammenden Zeichners und Karikaturisten an.
Der Besuch der Spitalskirche in Latsch mit dem gotischen Hauptaltar von Jörg Lederer und den Fresken der Annenberger ist jedesmal ein großartiges kulturelles Erlebnis.
Das private Habsburgermuseum im ehemaligen k.und k.-Postgebäude der Fam. Pegger gibt Einblick in die Zeit der Monarchie und zeugt von der Begeisterung, mit welcher der 2016 verstorbene Hermann Pegger all diese Objekte gesammelt hat. Das Museum samt dazugehörigem Gasthaus soll demnächst neu gestaltet werden.
Die Seilbahnfahrt nach der auf 1.700 m Meereshöhe liegenden Bergfraktion St. Martin im Kofel nimmt nur 10 Minuten in Anspruch. Hier erlebten wir hautnah, wie diese Menschen unter solch extremen Verhältnissen imstande waren, ihre Höfe über Jahrhunderte zu bewirtschaften und ihre oft großen Familien zu ernähren. Beim Egghof wurden wir herrlich bewirtet. In froher Runde und mit einigen gemeinsam gesungenen Heimatliedern ließen wir unsere Kulturwoche gemütlich ausklingen.

Erich Achmüller